Mit Glaube, Lienen und Hoffnung zum Klassenerhalt

Der Fanclub Wochenrückblick (KW 21)

Mit fünf Zecken machten wir uns bereits am Samstag auf, um in Darmstadt die Klasse zu halten. Zwischen 4:00 und 4:30 Uhr klingelten bereits unsere Wecker. Einer von uns erkannte frühzeitig, dass die Anspannung für Schlaf zu groß sein würde und entschied sich die Nacht in einem Hamburger Club zu verweilen. Auf der Hintour ging es im Mietwagen gen Süden, was uns Notfalls einen zusätzlichen Tag Unabhängigkeit vorm eventuell andauernden Bahnstreik verschaffen sollte. Ziel war zunächst nicht Darmstadt, sondern die Stadt der Niebelungensage. Eine private Verbindung ließ uns Zwischenhalt in Worms machen. Unsere frühe Abfahrt hatte dabei zwei Hintergründe. Wir wollten keinesfalls die Entscheidung (es sollte zunächst nur Teil 1 werden) am „Müllberg des Schicksals“ in Mordor verpassen. Wenn die Anreise reibungslos und zeitsparend erfolgen sollte, hatten wir einen Besuch beim abschließenden Speiltag der Regionalliga Südwest zwischen Wormatia Worms und den 1. FC Saaarbrücken, in der EWR-Arena, ins Auge gefasst. Bei diesem Derby spielte der Zweitplatzierte beim Fünften der Liga. Saarbrücken konnte trotz des 3:0 für Worms, die Playoff-Runde zur dritten Liga nicht mehr genommen werden. Zufällig verfolgten wir mit dieser Partie ein Spiel unseres Ex-Spielers und „Bokal-Helden“ Felix Luz, der sich beim FCS im Winter seiner Karriere befindet. Wir mussten das Stadion in Worms jedoch beim Stande von 2:0 für Wormatia, Anfang der zweiten Halbzeit, verlassen, um uns eine Sportsbar zu suchen. Das Spiel hatte mit Verspätung begonnen, da dieser kleine Club das Ende der Laufbahn einer vereinsinternen FIFA-Schiedrichterin zu ehren wusste.

Mit Hilfe eines Einheimischen konnte eine Studentenkneipe aufgetan werden. Nun hieß es zittern und fiebern im „Klassenkampf Teil 1“, wobei unser Zuspruch unserem geheimen Vorbild, dem SC Freiburg und dem VfB aus Stuttgart galt. Leider wusste niemand mehr im Kader der Schalker, wer sie vor einigen Jahren durch einen krassen Torwartfehler zum Meister der Herzen machte. Durch eine unerklärliche Abwehraktion der Freiburger, konnte Hannover den später entscheidenden zweiten Treffer markieren. Doch unser letzter starker Stürmer, den wir leider nicht halten konnten, sorgte dann doch noch für Jubel. Ginni Ginzcek hatte das entscheidende 1:2 in Paderborn geschossen. Nach 27 Punkten im Vorjahr sollten dem HSV dieses Jahr 25 Tore zur Relegation reichen.

Nach Stärkung und kurzer Ruhe, schauten wir uns das Barleben in der Stadt Siegfried des Drachentöters an. Zunächst ging es in die „funzel“, die uns mit einem Schild am Eingang, mit der Aufschrift „Nazis müssen draußen bleiben!“ wilkommen hieß. Nach 2-3 schnellen Kaltgetränken zog es uns jedoch weiter. Wir meinten nämlich in Bahnhosnähe eine St. Pauli-Kneipe entdeckt zu haben. Und tatsächlich, neben einer großes Variante des „St. Pauli gegen Rechts“-Aufklebers, waren zwei unserer Fahnen im Eingangsbereich zu finden. Bei Astra vom Fass und gepflegter Rockmusik nahmen wir Platz. Auf Nachfrage ergab sich, dass der Wirt des „BB on the Rock33“, aus Hamburg stammt und seine Vereinszugehörigkeit sowie politische Einstellung mit nach Worms gebracht hat. Die Bardame entgegnete noch, „St. Pauli und Rock, das passt ja auch!“, bevor wir uns als Hamburger zu Erkennen gaben. Dies wurde den Wirt, beim Zapfen der Astras auch promt zugetragen. Als er uns begrüßte, bekam er einen Aufkleber unseres Fanclubs, der umgehend einen Platz an der Barkonstruktion erhielt. Immer wieder schaute der Wirt bei uns vorbei und war sichtlich an uns Gästen aus der Heimat interessiert. Von der Bardame gab es in Folge immer wieder Songs mit Verbindung zum magischen FC auf die Ohren. Voller Stolz berichtete der Wirt, dass in Kürze die Band „Rotz und Wasser“ aus Hamburg bei ihm zu Gast sein werde, ehe wir uns verabschiedeten und den Tag vorm Klassehalten enden ließen.

Am Morgen erwachten wir ausgeruht und mit dem nötigen Tatendrang, unseren Teil durch unbändigen Support zum Klassenerhalt beizutragen. Nach einem fixen Frühstück „to go“ am Wormser Bahnhof, sollte auf der Bahnfahrt gen Darmstadt auch der Durst nach Pfeffi und Pilsetten zurückkehren. Nach einmal Umsteigen in Bensheim, erreichten wir planmäßig um 11:28 Uhr den Hauptbahnhof von Darmstadt. Nachdem unser Gepäck per Schließfach verstaut war, teilte sich unsere Gruppe kurzweilig. Zwei von uns wollten im Bahnhof auf den Sonderzug warten weil es plötzlich eine Info zu einem unangemeldeten Marsch zum Stadion gab. Die anderen Drei hatten wenig Hoffnung, dass sich ein solcher Marsch umsetzen ließe und begaben uns zum geplanten Sammelpunkt zur Busabfahrt. Dort bot sich uns ein eher ungewohntes Bild. Alles war vorbereitet, die Polizei war bereits, wie auch im Bahnhof, präsent. Doch mittig auf dem Platz parkte ein Manschaftswagen, gekennzeichnet mit der Aufschrift „Kommuikations-Fahrzeug“. In diesem befanden sich auch zwei Beamte mit blauen Westen statt Montur. Der Beamte im hinteren Teil des Fahrzeuges fungierte doch tatsächlich als DJ!? Laute Musik mit modernen, stets fröhlichen Klängen der letzteen 30 Jahre, beschallte den Platz auf dem sich bereits ca. 50 Zecken eingefunden hatten. Auch sonst machten die Beamten einen angenehm entspannten Eindruck, gaben gelassen Auskunft und hatten zumeist Ihre Helme zu Hause gelassen. In einer ersten Rede an die nun mittlerweile ca. 100 St. Pauilianer, begrüßte man uns, gab eine Info zum geplanten Ablauf und kündigte an, sich auf den Besuch aus Hamburg besonders und individuell vorbereitet zu haben.

Wenig später traf der Sonderzug ein. Als die ersten 500 auf den Vorplatz strömten, erklangen vertraute Klänge. Mit den „Hells Bells“ begrüßte uns die Polizei! Außer uns schafft es doch bisher kein anderer Club, die Hymne der Gäaste zu spielen und nun begrüßt uns die Polizei in Darmstadt mit unserer Einlaufmucke? Jedenfalls wurde getanzt, gesungen und die Fahnen geschwenkt, diese gut durchdachte Deeskalationsmaßnahme sollte Früchte tragen. Im Anschluss gab der Einsatzleiter per Mikro eine Rede, in der er nun nochmal alle Fans des Kiezclubs begrüßte, die Bensonderheit der Konstellation positiv betonte und nochmals über den Ablauf informierte. Man hob hervor, dass man ein Willkommenheißen nicht nur daher sagen würde, sondern sich auf unsere Fangemeide als würdigen Abschluss gefreut habe. Mit dem Startschuss zur Busbegehung sollte es wieder musikalische Begleitung geben. So bestiegen wir die Busse singend, denn auch „das Herz von St. Pauli“ hatten sich die Beamten, hoffentlich legal, runtergeladen 🙂

Unserer Eskorte wurde dabei zumeist freundlich vom Straßenrand zugewunken. Selbst als 2-3 mal ein Einzelner lächelnd erste Worte eines Schmähgesangen in Richtung Polizei von sich gab, die keine Unterstützung fanden, blieben die zugsetigenen Beamten entspannt. Um so verblüffender, dass es in den letzten Bussen doch zu Zwischenfällen kam. Nach Rücksprache mit einzelnen Anwesenden gingen leider erste Provokationen und Beleidigungen von unseren Anhängern aus. Schade, dass nicht alle ein solches außergewöhnlich positives Auftreten der Polizei aus Darmstadt annehmen können. Man musste schon ganz andere Vorgehensweisen miterleben. Daher sind solche Aktionen unverständlich, weil man vorgefundenes Vorgehen hätte bestätigen sollen.

Wir fünf kamen jedenfalls ohne Zwischenfälle bei der Mensa der örtlichen Uni an und konnten der Dehydrierung bei schwülwarmen Teperaturen entgegenwirken. Anschließend machten wir uns auf zum Stadion, wobei wir ein Waldstück durchquerten. Dort angekommen, wurde uns bewusst, warum die aktuelle Spielstätte der Darmstädter kaum Erstliagtauglichkeit erhalten wird. 2.500 durstigen Zeckenkehlen standen zwei Buden, mit je zwei Ausschenkern entgegen. Äußerst mangelhaft! Durstig aber motiviert ging es in den Block zum Supporten. Das hatte sich auch eine Gruppe Zugereister vom AEK Athen vorgenommen, ebenso Meggle, Pliquet und Kringe befanden sich in „unserer Mitte“. Nach Konfetti und braunen Luftbalons rollte der Ball und die Anspannung war auf Rasen und Rängen spürbar. Ein Spiel kam kaum zustande, vielmehr kam es stets zu kurzweiligen Aktionen, die auf beiden Seiten keine Linie erkennen ließen. Gefahr entsand meist nur nach Ecken, sodass Lasse (auf unserer Seite) die meisten „Torschüsse“ abgeben sollte. Beide Teams hatten sich diese Saison mehrfach durch Standards ausgezeichnet. Nach der Halbzeit das gleiche Bild, bis – wie hätte es auch anders sein sollen – eine Standardsituation das Geschehen änderte. Erstmalig musste der „Skyman“ in Liga 2 nach einerm direkten Freistoß hinter sich greifen. Darauf folgte der einzige miterlebte Fehler der Polizei. Pauschal wurden ca. 25 Beamte vor unseren Block geschickt. Dieses Vorgehen zeigte, dass in Darmstadt nicht bekannt ist, dass wir mit Niederlagen umzugehen wissen. Nur weil andere Vereine in solchen Fällen ihre Würde verlieren und im Falle eines Abstiegs z.B. einen Platzsturm ankündigen und umsetzen, trifft das noch lange nicht auf den magischen FC zu!

Nun wurden dann doch die Handy’s gezückt und die Spielstände der anderen Paarung abgefragt. Doch Empfang war zu meist Fehlanzeige. So hieß es weiter singen und hoffen. Der Glaube, dass auf dem Platz noch etwas konstruktivs passieren würde, schwand. Als dann der Schlusspfiff ertönte, wurde auch wenig später vorm Stadionsprecher verkündet, dass auch wir drin bleiben würden. Wie knapp es war, sollten wir erst später erfahren.

Als sich die Tore der Darmstädter öffneten liefen nicht alle zu ihrer Mannschaft um den Ausfstieg zu feiern. Ca. 30 Mann, naja zumeist Halbstarke, liefen direkt vor unseren Block und präsentierten uns, im Rücken der Polizei ihre Mittelfinger. Auf das Vermummen Einzelner, wurde mit spöttischen Beifall reagiert. Doch nach und nach trafen applaudierende Darmstädter ein. Es wurden mehr und mehr, die zunächst ihre eigene kleine Gruppe an schlechten Gewinnern entsorgten. Im Anschluss egalisierten die weiter größer gewordene Gruppe der Darmstädter das Bild der wenigen Idioten. Anstatt mit der Mannschaft den Aufstieg zu feiern, würdigte man unseren Gastsupport mit Beifall und lang andauernden „St. Pauli, St Pauli“-Sprechchören. Nun wurden auch unsere Tore geöffnet. Die sichtlich verängstigten Beamten und Ordner reagierten trotz der auf sie zustürmenden Massen besonnen. Denn man klattschte ab, gratulierte sich gegenseitig zum Erreichten und genoss den Moment auf dem unübersichtlichen Rasen.

Die wirklich freundlich auftretenden Darmstädter waren extrem scharf auf unsere Schals und anderen Utensilien. Vielfach tauschten die Fans untereinander. Als wir registrierten, wie knapp es gewesen war und plötzlich auch „Chewald“ in der Menge auftauchte, war uns trotz Niederlage deutlicher zum feiern zu Mute. Schöne Szenen ereigneten sich, allerorts wich die Anspannung und wir realisierten, was wir in der Rückrunde geschafft haben. Zwar konnten wir das letzte Spiel nicht gewinnen, doch holten wir in der Rückrunde starke 24 Punkte. Vor Allem nachdem wir keines der direkten Duelle für uns entscheiden konnten, hatte so manch einer uns abgeschrieben. Doch wir holten die Punkte dort, wo man uns jene nicht zugetraut hatte. Mit den Siegen gegen Braunschweig, Düsseldorf, Nürnberg, RB, Lautern und Bochum, haben wir uns den Verbleib in der Liga allemal verdient. So ging es glücklich, aber auch geschafft, verschwitzt und hungrig mit den Bussen zurück zum Bahnhof. Nach einer Stärkung ging es dann per Bahn über Frankfurt heimwärts. Auf der Rückfahrt trafen wir noch Fangruppen aus Lautern und der Münchener Löwen. Letztere versuchten uns zwar zu provozieren, doch blieben wir stets besonnen und verständnisvoll, denn nach Anküdigung der Zweitligameisterschaft vor der Saison, in der nächsten zur zweiten Mannschaft des VfB Stuttgart zu müssen, ist Strafe genug! Gegen 1:30 Uhr erreichten wir die Heimat, denn „in Hamburg da sind wir zuhauuuuuus“!

Wir wünschen „K&K“ viel Erfolg in den kommenden Relegationsspielen. Auf das sie uns zwei nahe Auswärtstspiele im Norden bescheren mögen. Naja, aber „egal wo das ist, wir sind immer bei Dir, uns kann keiner mehr stoppen, wir gewinnen auch hier!“

Danke Ewald, Geschichte ist gemacht! Wieder hast Du bewiesen, ein Retter zur sein! Wir glauben an Dich, dass Du mit unserem magischen FC den nächsten Schritt machen wirst! Gute Besserung und schone im Urlaub endlich Deine „Schreibkralle“! Nun ist Meggie dran und muss zeigen, dass er den Sportchef kann. Es sind die Skeptiker zu überzeugen, die sich an „Projekt Basti Reinhart“ in Mordor erinnert fühlen…

„Voran FC St. Paul“… doch eines ist ja eh gewiss… „unter,  ja das gehst Du nie!“

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