Resignation – war es das denn schon?

Der Fanclub Wochenrückblick (KW 46)

Gefühlt steckt uns das Spiel von Samstag noch in den Knochen, naja eher in den Köpfen. Ratlosigkeit macht sich breit und aller Orts fragt man sich, an welchen Schrauben man noch drehen könnte.

In den nun ziemlich genau 20 Jahren, in denen ich mich zum Fußballschauen ans Millerntor begebe, habe ich nie so eine Resignation und so eine derartige Fassungslosigkeit zu spüren bekommen. Ab der 70. Minute verstummte das Stadion komplett. Von uns und dem Rest der Gegengerade kam von Anfang an gar nichts. Nicht ein Gesang zündete. Nicht einmal konnten wir einen Gesang länger als die erste Strophe halten. Es gab in den letzten Monaten immer mal wieder Situationen, in denen wir spürten, was auf der Gegengerade möglich ist. Samstag haben wir alle den bisherigen Support-Tiefpunkt erlebt. Selbst die Südkurve setzte überraschend komplett aus. Vereinzelnt waren auf den Tribünen nach Spielende sogar Pfiffe zu hören.

In Schachtens Augen fehlt es derzeit an Typen, wie ein Bruns oder Ebbers

Wer, wie einige von uns, nach dem Spiel vor den Fanräumen ausharrte, um über Lösungen zu philosophieren und den Kummer in Kaltgetränken zu ertränken, der bekam die Möglichkeit mit den Spielern persönlich zu sprechen. Schachten, Ratsche und Co machten den Gang und mischten sich unter die Fans. So hatten wir die Gelegenheit unseren Vorkämpfer „Fighting Schachten“ nach seiner Einschätzung der Situation zu befragen. Er machte deutlich, dass auch die Mannschaft nach so einem Auftritt total enttäuscht sei und das Ganze erstmal sacken lassen müsse. In seinen Augen fehlt es derzeit an Typen, wie ein Bruns oder Ebbers, die man seiner Einschätzung nach zu früh „freistellte“. Die beiden hätten die jungen Spieler noch mal ein Jahr mitnehmen können. So fehlt es nun an Leitwölfen! „Ein Ebbe hätte in seiner letzten Saison immerhin noch sechs Buden gemacht und das Team immer wieder mitgerissen“ so Schachten.

Von Führungsspielern sind wir weit entfernt, wir haben ja nicht mal wirkliche Stammspieler! Enis Alushi hat man geholt um die Lücke zu schließen, doch ist dieser wohlmöglich „zu jung“. Nicht auf Grund seiner Lenzen, sondern zu jung unseren Kiezclub als „Neuer“ anzuführen. Außerdem wäre es wichtig, selbst Leistung zu zeigen, wenn man andere Spieler führen will. In einer Mannschaft muss man sich den Respekt verdienen, der andere dazu bringt sich mitreißen zu lassen. Schon vor einem Jahr hat man mit Nöthe und Nehrig Spieler mit ausreichend Zweitligaerfahrung geholt. Da keiner der Beiden zu einem Stammspieler wurde, ist auch keiner der beiden ein Eckpfeiler des neuen Gerüstes geworden. Florian Kringe hat die Erfahrung, doch anscheinend nicht die nötige Kondition der Mannschaft wirklich zu helfen. Dennis Daube hat nicht die nötige Ausstrahlung auf dem Platz, um verbale Ansagen zu machen. Er müsste Taten sprechen lassen. Bleiben eigentlich nur Schachten und Tschauner. Tschauni hat als Torwart jedoch nicht genug Einfluss auf das Spielgeschehen. Schachten könnte der erhoffte Charakter sein, der jetzt gefordert ist und das ganze Team mitreißt.

Wir wollen Euch kämpfen, grätschen, brüllen und wieder siegen sehen!

Ein Spieler alleine wird das Ruder aber nicht herumreißen. Deshalb hoffen wir auf einen Thorandt, der dem Gegner im Zweifel auch mal wehtut.  Einen Halstenberg, der ebenfalls über die körperliche Robustheit verfügt um Stärke auszustrahlen. Einen Buchtmann, der nach Frontzecks Amtsantritt bereits Verantwortung übernahm und versuchte das Spiel von der 10 zu lenken. Letztlich ist es uns aber egal, wer nun Verantwortung übernimmt, Hauptsache es kristallisieren sich nun Spieler heraus, die genau dazu bereit sind. Wir wollen Euch kämpfen, grätschen, brüllen und wieder siegen sehen!

Ob Naki die Lösung ist, darf bezweifelt werden. Sicherlich könnte Deniz das Publikum mitnehmen und immer wieder anheizen. Doch müsste er sich zunächst einen Stammplatz erarbeiten. Auch birgt ein solcher Spieler immer das Risiko, einer intakten Mannschaft schaden zu können. Schließlich sollte der Star die Mannschaft und nicht ein Deniz Naki sein. Vermutlich ist Deniz Naki für viele das Sinnbild besserer Zeiten. Dabei wäre ein Lenker wie Matthias Lehmann wohl wichtiger.

Wo setzt man nun noch an? Man kann leider kaum behaupten, dass im Vergleich zur Leitung unter Roland Vrabec sich wirklich etwas gebessert habe. Als Meggie sein Amt übernahm, war eben genau das die Frage. Übernimmt Meggie sich vielleicht? Kommt diese Chance vielleicht zu früh? Braucht es einen erfahrenen Trainer um die Jungs wieder in die Spur zu bringen? Versteckt sich vielleicht der eine oder andere hinter dieser St. Pauli-Größe? Eigentlich liegt es meist nicht am Coach, doch ist es die Position, die sich am ehesten neubesetzen lässt. Die Mannschaft kann man nicht komplett tauschen, so schlecht ist der Kader nicht, da schreit man schnell nach Impulsen von außen. Doch soll ein neuer Coach wirklch des Rätsels Lösung sein? Vermutlich gibt man Meggie auch ohne Besserung Zeit bis zum Winter. Fährt man keine Siege mehr ein, wird es auch Meggie an den Kragen gehen. Leider!

Mit dem Tempo von Dortmund musste man nicht unbedingt mithalten können,
aber doch bitte mit dem von Heidenheim oder dem KSC

Rachid Azzouzi wird sich dieser Tage auch immer deutlichere Kritik ausgesetzt sehen. Die Mannschaft scheint unausgewogen zusammengestellt. Nicht nur die angeseprochenen Führungsspieler fehlen. Man hat mehr und mehr das Gefühl, andere Vereine haben die schnelleren Spieler. Seit Tempo-Bartels bei den Bremern spielt gibt es kein schnelles Umschaltspiel mehr. Zum einen mag es am Mut liegen, dass eher das Spiel verzögert, als schnell gemacht wird. Zum anderen spielt die Physis womöglich auch eine Rolle. Kaum ein Spieler scheint sich zuzutrauen, den Abwehrspieler zu überlaufen. Einzig Daniel Buballa sorgte, gerade gegen Braunschweig, für ein positives Raunen, wenn er auf der Außenbahn den Sprint Anzog. Mit dem Tempo von Dortmund musste man nicht unbedingt mithalten können, aber doch bitte mit dem von Heidenheim oder dem KSC. Betrachtet man die Fürther, die nach dem Abgang von Azzouzi weiter Jahr für Jahr gute Spieler aus der Versenkung holen, weiterentwickeln und dann weiter verkaufen, fragt man nach dem damaligen Anteil Rachids am Erfolg. War Rachid womöglich nur die Galionsfigur, der die Früchte zum Markt trug, die Ernte war jedoch eigentlich Verdienst eines starke Scoutings?

Gern würde man sich nicht mit dem Hickhack der zukünftigen Machtgestaltung am Millerntor beschäftigen. Auch auf dieser Ebene strahlt unser Verein zur Zeit keine Ruhe aus. Nimmt eventuell auch dieser Umstand Einfluss auf die Mannschaft?

Egal wie voll ich meinen Kopf mit anderen Dingen stopf, mir schwirren soviele Fragen da oben herum! Die Antworten müssen jedoch andere geben, wir können auf den Rängen nur weiter Vollgas geben. Denn nach Samstag kann es nur noch aufwärts gehen!

Wir hören nicht auf, fahren auch wieder nach Leipzig, jetzt erst recht! Denn Leidenschaft ist was leiden schafft!

Voran FC. St. Pauli… unter, ja das gehst Du nie!

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